Meridian
Journal

Makko-Ho: 6 Meridian-Dehnübungen für den Alltag

Sechs schlichte Dehnungen, die den Körper in wenigen Minuten durchgehen und jeweils ein Paar der zwölf Hauptmeridiane ansprechen: So funktioniert Makko-Ho. Eine saubere Schritt-für-Schritt-Anleitung – mit Element-Zuordnung, Atemfokus und ehrlicher Einordnung.

Person auf einer Matte in einer sitzenden Vorbeuge-Dehnung bei ruhigem Morgenlicht

Steife Hüften nach einem langen Bürotag, ein Rücken, der sich morgens erst einmal sortieren muss: Genau hier setzen die Makko-Ho-Übungen an. Es sind sechs einfache Dehnungen, die den Körper in rund einer Viertelstunde durchgehen und dabei jeweils ein Paar der zwölf Hauptmeridiane ansprechen. Anders als viele Seiten, die nur vage von «Energie» oder «Entgiftung» sprechen, erklärt dieser Beitrag die Reihe so, wie man sie tatsächlich übt: Schritt für Schritt, mit Element- und Meridianzuordnung, mit dem passenden Atem – und mit einer nüchternen Einordnung, was Dehnen kann und was nicht.

01Was Makko-Ho ist – und woher es kommt

Makko-Ho (japanisch «Makkō-hō», sinngemäss «Übung des geraden Ausrichtens») ist eine kurze Abfolge von Dehnungen, die dem Verlauf der Meridiane folgt – jener Leitbahnen, über die in der ostasiatischen Tradition das Qi fliessen soll. Der Grundgedanke ist einfach: Wer die Muskel- und Faszienlinien entlang dieser Bahnen sanft dehnt, hält den Körper beweglich und den Atem frei. Ob dabei tatsächlich «Qi» reguliert wird, ist ein Bild aus dem Denkmodell der TCM – die spürbare Wirkung ist zunächst schlicht ein Dehnungsreiz.

Der Name geht auf den Japaner Wataru Nagai zurück, der die ersten Übungen Anfang des 20. Jahrhunderts nach eigener Krankheit zusammenstellte. Die heute verbreitete Reihe von sechs Dehnungen, geordnet nach Meridianpaaren, prägte der Shiatsu-Lehrer Shizuto Masunaga, Begründer des Zen-Shiatsu, in den 1970er-Jahren; er beschrieb sie in seinem Standardwerk «Zen Shiatsu» (1977). Makko-Ho ist damit eng mit der japanischen Körperarbeit verwandt – ähnlich wie die chinesische Tuina-Massage, nur dass man Makko-Ho selbst, ohne Partner und ohne Geräte ausführt.

Kurzprofil. Makko-Ho besteht aus sechs Dehnübungen für die zwölf Hauptmeridiane, geordnet nach den fünf Elementen. Ein ruhiger Durchgang dauert rund 10 bis 15 Minuten und braucht nur eine Matte. Die Übungen können die Beweglichkeit unterstützen und lassen sich gut in ein Morgen- oder Abendritual einbauen – ein Heilverfahren sind sie nicht.

02Die sechs Grunddehnungen Schritt für Schritt

Die Reihe folgt einer festen Reihenfolge, die vom Stand über den Kniesitz bis zu den Boden-Dehnungen führt. Für alle sechs gilt dasselbe: nur so weit gehen, wie es sich angenehm zieht, nie in den Schmerz hinein und nie mit Schwung wippen. Der Kopf bleibt möglichst in Verlängerung der Wirbelsäule, die Schultern sinken.

6Grunddehnungen für die zwölf Hauptmeridiane
~15 Min.für einen ruhigen Durchgang aller sechs Übungen
3–5langsame Atemzüge, die jede Position ohne Wippen gehalten wird
  1. Metall – Lunge und Dickdarm. Aufrecht stehen, Füsse etwa hüftbreit. Hinter dem Rücken die Daumen einhaken, Arme lang. Mit dem Ausatmen aus der Hüfte nach vorn beugen und die verschränkten Arme locker Richtung Decke sinken lassen. Dehnt die Vorderseite der Arme und den Brustraum.
  2. Erde – Milz und Magen. In den Fersensitz kommen, die Füsse neben dem Becken. Langsam nach hinten lehnen und die Hände hinter sich abstützen; wer beweglich genug ist, legt den Rücken behutsam ab. Dehnt die Vorderseite der Oberschenkel und den Bauchraum. (Bei Knieproblemen auslassen oder stark abmildern.)
  3. Kaiserfeuer – Herz und Dünndarm. Aufrecht sitzen, die Fusssohlen vor dem Körper zusammenlegen, die Knie sinken lassen. Die Füsse fassen und mit dem Ausatmen den Oberkörper lang nach vorn führen. Dehnt die Innenseite der Arme, die Leisten und den unteren Rücken.
  4. Wasser – Niere und Blase. Sitzen, beide Beine gestreckt nach vorn. Mit langem Rücken aus der Hüfte nach vorn beugen und locker nach Schienbeinen oder Füssen greifen; der Rücken darf sich zuletzt sanft runden. Dehnt die gesamte Körperrückseite von der Ferse bis zum Nacken.
  5. Ministerfeuer – Herzbeutel und Dreifacher Erwärmer. Im Schneidersitz die Arme überkreuzen und die gegenüberliegenden Knie fassen. Mit dem Ausatmen den Oberkörper nach vorn sinken lassen und die Knie leicht Richtung Boden schieben. Dehnt Schultern, die Aussenseite der Arme und die Hüften.
  6. Holz – Leber und Gallenblase. Sitzen, die Beine weit gegrätscht. Erst zur einen, dann zur anderen Seite lang zur Fussspitze neigen, zuletzt mittig nach vorn. Dehnt die Innenseite der Beine und die seitliche Rumpflinie.

Wer die Reihe neu lernt, übt sie am besten ein paar Mal langsam mit einer angeleiteten Videoanleitung oder in einem Kurs, bis die Abfolge sitzt. Danach ist Makko-Ho eine der wenigen Übungsformen, die man komplett ohne Ausrüstung im eigenen Wohnzimmer durchziehen kann.

03Element- und Meridianzuordnung im Überblick

Jede Übung ist einem der fünf Elemente zugeordnet. Weil das Feuer in der klassischen Lehre in zwei Funktionskreise geteilt wird – Kaiserfeuer (Herz/Dünndarm) und Ministerfeuer (Herzbeutel/Dreifacher Erwärmer) –, ergeben sich aus fünf Elementen sechs Übungen und zwölf Meridiane. Die folgende Tabelle fasst die Zuordnung zusammen; wer die Organbezüge und ihren Tagesrhythmus vertiefen möchte, findet das im Beitrag zur Organuhr.

Übung (Position)ElementMeridiane (Yin / Yang)Dehnungsfokus
1 · Stand, VorbeugeMetallLunge / DickdarmArme vorn, Brustraum
2 · Fersensitz, zurückErdeMilz / MagenOberschenkel vorn, Bauch
3 · Sohlen zusammenFeuer (Kaiser)Herz / DünndarmArminnenseite, Leisten
4 · Langsitz, VorbeugeWasserNiere / Blaseganze Körperrückseite
5 · SchneidersitzFeuer (Minister)Herzbeutel / Dreifacher ErwärmerSchultern, Armaussenseite
6 · GrätscheHolzLeber / GallenblaseBeininnenseite, Flanke

04Atmung, Dauer und Rhythmus

Der Atem ist bei Makko-Ho kein Beiwerk, sondern der Taktgeber. Die Grundregel lautet: Mit dem Einatmen den Rücken lang machen, mit dem Ausatmen ein Stück tiefer in die Dehnung sinken – nie mit Schwung, sondern mit dem langsamer werdenden Atem. Ruhig durch die Nase atmen, die Luft nie anhalten. Jede Position wird gehalten, meist drei bis fünf Atemzüge oder etwa 20 bis 40 Sekunden. Zwischen den Übungen lohnt ein kurzer Moment des Nachspürens.

Für den Alltag gilt, was für Bewegung generell gilt: Regelmässigkeit schlägt Intensität. Ein täglicher Durchgang von rund einer Viertelstunde bringt mehr als eine seltene, ehrgeizige Einheit – auch die WHO empfiehlt, Beweglichkeit und Kraft mehrmals pro Woche zu pflegen. Viele üben morgens, um den Körper wach zu machen; andere abends, um herunterzufahren. Wer viel am Schreibtisch sitzt und den steifen Nacken kennt, kann Makko-Ho als tägliches Gegengewicht nutzen – dauerhafte oder ausstrahlende Beschwerden gehören aber ärztlich abgeklärt, wie wir im Beitrag zu Akupunktur bei Nackenschmerzen beschreiben. Als ruhiges Element vor dem Zubettgehen lässt sich die Reihe ebenso einsetzen; wie sinnvoll feste Abendrituale beim Umgang mit Schlafstörungen sind, ordnen wir dort gesondert ein.

05Makko-Ho oder Qigong? Und was die Evidenz sagt

Makko-Ho wird gern mit den sanften Qigong-Übungen in einen Topf geworfen, doch die beiden unterscheiden sich deutlich. Qigong ist eine chinesische Bewegungskunst mit fliessenden, fortlaufenden Bewegungen, Atmung und gesammelter Aufmerksamkeit. Makko-Ho dagegen stammt aus der japanischen Shiatsu-Tradition und besteht aus wenigen, überwiegend statisch gehaltenen Dehnungen entlang der Meridiane. Vereinfacht: Qigong bewegt, Makko-Ho dehnt. Beides lässt sich gut kombinieren, verfolgt aber unterschiedliche Wege.

Einordnung. Speziell zu Makko-Ho gibt es kaum kontrollierte Studien. Gut belegt ist hingegen, dass regelmässiges Dehnen die Beweglichkeit verbessern kann; ein Nutzen etwa gegen Muskelkater ist dagegen nicht gesichert (Cochrane). Die Vorstellung, Dehnübungen würden Meridiane «öffnen» oder den Körper «entgiften», ist ein traditionelles Bild und kein wissenschaftlich geprüfter Wirkmechanismus. Als sanfte, gelenkfreundliche Alltagsbewegung sind die Übungen sinnvoll – als Heilverfahren sind sie nicht zu verstehen.

So verstanden ist Makko-Ho ein unkompliziertes Beweglichkeitsritual: sechs Dehnungen, ein ruhiger Atem, ein Viertelstündchen für sich. Mit realistischen Erwartungen und etwas Geduld ist das ein guter Zugang – zur eigenen Beweglichkeit und nebenbei zur Denkwelt der Meridiane.

Wichtig. Makko-Ho ersetzt keine ärztliche Abklärung oder Behandlung und dient nicht der Heilung von Krankheiten. Bei akuten Verletzungen, Bandscheibenproblemen, fortgeschrittener Osteoporose, in der Schwangerschaft oder bei Knie- und Hüftbeschwerden vorab ärztlich Rücksprache halten und die Übungen anpassen. Nie in den Schmerz hinein dehnen. In Notfällen gilt die Notrufnummer 144.

Häufige Fragen

Was sind Makko-Ho-Übungen?

Makko-Ho sind sechs einfache Dehnübungen aus der japanischen Shiatsu-Tradition. Jede Übung spricht den Verlauf eines Meridianpaares an, zusammen decken sie die zwölf Hauptmeridiane ab. Man übt sie allein auf einer Matte; ein ruhiger Durchgang dauert etwa 10 bis 15 Minuten.

Wie führe ich die sechs Meridian-Dehnübungen richtig aus?

In fester Reihenfolge: vom Stand (Metall) über den Fersensitz (Erde), die zusammengelegten Fusssohlen (Feuer/Herz), den Langsitz (Wasser) und den Schneidersitz (Feuer/Herzbeutel) bis zur weiten Grätsche (Holz). Man geht jeweils mit dem Ausatmen in die Dehnung, hält ruhig und bewegt sich nur so weit, wie es angenehm zieht – ohne zu wippen.

Wie lange und wie oft sollte man Makko-Ho üben?

Als Faustregel gilt ein täglicher, ruhiger Durchgang von rund 10 bis 15 Minuten, wobei jede Position drei bis fünf Atemzüge lang gehalten wird. Regelmässigkeit ist wichtiger als Ehrgeiz: kurz und oft bringt erfahrungsgemäss mehr als selten und lang.

Für welche Meridiane und Elemente stehen die Übungen?

Die sechs Übungen stehen für Metall (Lunge/Dickdarm), Erde (Milz/Magen), Kaiserfeuer (Herz/Dünndarm), Wasser (Niere/Blase), Ministerfeuer (Herzbeutel/Dreifacher Erwärmer) und Holz (Leber/Gallenblase). Aus fünf Elementen werden sechs Übungen, weil das Feuer in der klassischen Lehre in zwei Funktionskreise geteilt wird.

Worauf muss ich bei der Atmung achten?

Mit dem Einatmen den Rücken lang machen, mit dem Ausatmen sanft ein Stück tiefer in die Dehnung sinken. Ruhig durch die Nase atmen, jede Position drei bis fünf Atemzüge halten und die Luft nicht anhalten. Der Atem gibt das Tempo vor, nicht der Ehrgeiz.

Quellen

  1. Masunaga S, Ohashi W. Zen Shiatsu: How to Harmonize Yin and Yang for Better Health. Tokyo: Japan Publications; 1977.
  2. Page P. Current concepts in muscle stretching for exercise and rehabilitation. Int J Sports Phys Ther. 2012;7(1):109–119.
  3. Herbert RD, de Noronha M, Kamper SJ. Stretching to prevent or reduce muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(7):CD004577. doi:10.1002/14651858.CD004577.pub3
  4. World Health Organization. WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Genf: Weltgesundheitsorganisation; 2020.